Vision

ADS-B UAT ground Stations in der Schweiz –
Ein unterschätzter Sicherheitsgewinn?

ADS-B (Automatic Dependent Surveillance – Broadcast) gilt weltweit als ein zentraler Baustein für die moderne Luftfahrtüberwachung. Besonders das in den USA etablierte 978 MHz UAT-System (Universal Access Transceiver) bietet der allgemeinen Luftfahrt erhebliche Vorteile – durch kostenlose Wetterdaten (FIS-B), Verkehrsinformationen (TIS-B) und mehr Situationsbewusstsein direkt im Cockpit, integriert in der Avionik oder mit preiswerten mobilen Empfängern.

Während in den USA seit 2013 über 700 Bodenstationen aktiv sind und nahezu die gesamte Landmasse abdecken, fehlt in der Schweiz bislang ein vergleichbares Netzwerk vollständig.

Ein UAT-Bodenstationsnetz in der Schweiz könnte insbesondere für die VFR-Fliegerei, Helikopter-Operationen, den Gebirgsflug, Drohnen, Segelflieger, Gleitschirmflieger sowie für unkontrollierte Flugplätze einen enormen Sicherheitszuwachs bedeuten – bei vergleichsweise geringem Aufwand. Piloten könnten in Echtzeit Wetterdaten, METARs, TAFs, NOTAMs, Sperrzonen sowie Verkehrsinformationen direkt im Cockpit empfangen – ganz ohne Mobilfunknetz, teure Abos oder bastel Lösungen, welche nicht direkt in die Avionik integriert sind.

Was spricht für ADS-B UAT in der Schweiz?

  • Mehr Sicherheit alle Traffic Information kann über eine Quelle zentral empfangen werden
  • Verbesserte Situational Awareness mit Wetter, NOTAMs Informationen etc.
  • Geringe Infrastrukturkosten im Vergleich zu anderen Überwachungssystemen
  • Bewährte Technik 978 MHz UAT-Empfänger bereits im Markt etabliert und in vielen Fliegern verbaut

Im Gegensatz zu vielen teuren Sicherheitsmaßnahmen, deren Nutzen sich primär auf dem Papier zeigt, bietet ADS-B UAT praktische, sofort spürbare Vorteile für jeden Piloten – auch im nicht kommerziellen Bereich. Andere Länder – insbesondere die USA – machen es seit über einem Jahrzehnt vor.

Fazit:

Die Einführung von ADS-B UAT Ground Stations wäre ein einfacher, aber wirkungsvoller Schritt, um die Luftfahrtsicherheit in der Schweiz nachhaltig zu stärken – besonders für die allgemeine Luftfahrt.

Was bietet ADS-B UAT?

ADS-B UAT wird in zwei Sparten unterteilt:

  • TIS-B (Traffic Information Service – Broadcast)

TIS-B sendet Verkehrsdaten an Flugzeuge mit ADS-B «In». So können auch Luftfahrzeuge angezeigt werden, die selbst kein ADS-B «Out» senden, aber beispielsweise per FLARM, ADS-L oder Transponder von Bodenstationen erfasst werden.

Nutzen:

  • Zentrale Erfassung und Übermittlung sämtlicher Verkehrsinformationen.
    • Deutlich verbesserte Situational Awareness => weniger Risiko für Zusammenstösse.
    • Besonders wertvoll in gemischten Luftraum: z.B. Segelflieger, Gleitschirmflieger, Drohnen, VFR-Flugzeuge und IFR-Flugzeuge – da diese derzeit unterschiedliche Methoden zur Positionsübermittlung nutzen
  • FIS-B (Flight Information Service – Broadcast)

FIS-B überträgt eine Vielzahl nützlicher Fluginformationen kostenlos ins Cockpit – ohne Mobilfunknetz, ohne Abo, direkt empfangbar über 978 MHz UAT. Enthaltene Daten:

  • Wetterinformationen (METARs, TAFs, Lightning)
    • CONUS NEXRAD (Wetterradar)
    • Regional NEXTRAD (Wetterradar)
    • Winds & Temperatures Aloft
    • TFRs (Temporary Flight Restrictions, DABS-CH)
    • NOTAMs
    • PIREPs
    • SUA (Special Use Airspace)-Aktivierung
    • Airmen’s Meteorological Information (ARIMET)
    • Significant Meteorological Information (SIGMET)
    • Convective SIGMET

Nutzen:

  • Aktuelle Wetter- und Fluginformationen in Echtzeit im Cockpit
    • Wichtiger Beitrag zur Reduktion von Airspace Violations
    • Enorme Unterstützung für die allgemeine Luftfahrt – besonders im Gebirge oder bei wechselhaften Wetterlagen

Projekt «ADS-B Vision Switzerland» vom Aero Club der Schweiz:

Der Aero Club der Schweiz ist überzeugt, dass ADS-B UAT mit TIS-B und FIS-B die zukunftsfähigste Lösung zur Verbesserung der Luftraumsicherheit in der Schweiz darstellt. Diese Technologie hat das Potenzial, die Sicherheit aller Luftraumnutzer deutlich zu erhöhen – denn Midair-Kollisionen dürfen mit den heutigen technischen Möglichkeiten nicht mehr vorkommen.

Wir planen eine dreijährige Testphase, in dessen Rahmen ADS-B UAT-Sender installiert und allen Luftraumnutzern zur Verfügung gestellt werden soll. Während der Projektlaufzeit sollen verschiedene Studien durchgeführt werden, um den Einfluss von ADS-B UAT auf die Flugsicherheit und das Situationsbewusstsein der Pilotinnen und Piloten zu untersuchen.

Welcher Aufwand muss geleistet werden:

In der Schweiz ließe sich bereits mit drei Sendeantennen (siehe Karte unten) ein Großteil des Mittellandes abdecken. Wird die Anzahl auf sieben Stationen erweitert, ist nahezu das gesamte Staatsgebiet erfasst. Grundlage dieser Einschätzung ist eine Empfangbarkeit ab 1’000 Fuss über Grund.

ADS-B UAT Abdeckung auf 1’000 ft above ground bei Sendestationen auf dem Säntis, Pilatus und Lausanne.
ADS-B UAT Abdeckung auf 1’000 ft above ground bei Sendestationen auf dem Säntis, Lausanne, Samedan, San Salvatore, Sion, Pilatus und Oberalppass

Was muss im Cockpit gemacht werden:

Viele Avionik-Hersteller wie Garmin und andere bieten bereits die Möglichkeit, ADS-UAT mit TIS-B und FIS-B zu empfangen – oder lassen sich in der Regel mit geringem Aufwand entsprechend nachrüsten.

Für Privatpiloten gibt es jedoch auch einfachere und deutlich günstigere Alternativen: Mit kompakten, tragbaren Geräten, die zum Beispiel per Saugnapf an der Cockpitscheibe befestigt werden, und einem iPad lassen sich Verkehrsinformationen und Wetterdaten komfortabel und übersichtlich darstellen. So kann jeder Pilot – unabhängig vom Flugzeug – seine persönliche Ausrüstung flexibel mitführen

Beispielsweise bietet der Sentry Plus ADS-B-In (inkl. TIS-B und FIS-B), integriertes GPS, AHRS und CO-Warner. Die Kosten liegen aktuell bei etwa 800 CHF.
Auch Geräte wie der Stratus ADS-B Receiver oder der Dual-Band ADS-B-In Receiver von uAvionix ermöglichen den Empfang von 1090ES- und 978 MHz-UAT-Signalen und sind mit gängigen EFB-Apps wie ForeFlight oder SkyDemon kompatibel – bei deutlich niedrigeren Preisen ab ca. 280 CHF.